Russell Blake

JET

Band 1
Serie: Jet

Thriller jet

PERFECT PAPERBACK
328 Seiten
ISBN: 978-3-943408-37-9
eISBN: 978-3-943408-38-6
ERSTERSCHEINUNG: 2014

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BeschreibungAutorMeinungen zum BuchJetzt reinlesenAktion

Thriller von einem der populärsten New-York-Times Bestseller Autoren!

Codename: Jet. Alter: 28 Jahre.
Jet war einst des Mossads tödlichste menschliche Waffe, bis sie ihren eigenen Tod vortäuschte, um diese Identität für immer zu begraben.
Aber die Geheimnisse der Vergangenheit lassen sich nicht einfach abschütteln. Als ihr neues Leben auf einer ruhigen Insel von einem brutalen Angriff bedroht wird, muss Jet zu ihrer geheimen Existenz zurückkehren, um die zu retten, die sie liebt. Eine wilde Achterbahnfahrt voller schockierender Wendungen beginnt … jet

Fans von Lizbeth Salander, SALT und der Bourne-Trilogie werden ihre helle Freude an diesem unkonventionellen Titel haben, der mit Höchstgeschwindigkeit auf ein erschütterndes Finale zusteuert.

»Jet ist ein atemberaubender, spannender und actionreicher Thriller der unter die Haut geht.« [Samy86, lovelybooks]

New-York-Times und USA Today Bestseller Autor Russell Blake lebt an der Pazifikküste von Mexiko. ›Captain‹ Russell schreibt und fischt gerne, spielt gerne mit seinen Hunden, sammelt und verkostet Tequila und führt einen ausgedehnten Kampf gegen Clowns, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen.

MEHR ERFAHREN >

»Eine geballte, actionreiche Handlung und ein sehr lebhafter Schreibstil lassen hier garantiert keine Langeweile aufkommen« (Engel1974, lovelybooks)

»Die Spannung war die ganze Zeit vorhanden und hat nicht nachgelassen.Für jeden Fan von Spannung und Action ist es eine absolute Leseempfehlung.« (Buchswagger, lovelybooks)

»Der Thriller lässt sich sehr flüssig lesen und fesselt einen von Anfang an. Es geht um Verrat und Rache, um wirtschaftliche Interessen und Geldgier.« (buecherwurm1310, lovelybooks)

»Jet ist ein gewaltig actionlastiger Roman, der von Anfang bis Ende nie langweilig wird.« (katze-kitty, lovelybooks)

»Überraschende Wendungen und unerwartete Situationen haben mich immer wieder mitgerissen und mir ein tolles, fast kinoreifes, Lesevergnügen bereitet.« (nodi, lovelybooks)

Kapitel Eins

Türkisfarbenes Wasser brandete in den feinen Sand der leewärtigen Seite von Trinidad und kitzelte den Strand mit sanften Wellen. Schrottreife Fischerboote mit einfachen Außenbordmotoren trieben zehn Meter vom Strand entfernt auf dem Wasser und zogen leicht an den Anlegeleinen, während die Kapitäne im Schatten faulenzten, Rum kreisen ließen und altbekannte Geschichten zum Besten gaben.
  Die Abendluft war erfüllt von Musik und dem berauschenden Aroma exotischen Essens, als das jährliche Karnevalsfest langsam in lautes Getöse überging. Aufgeregte Gruppen von Kindern liefen die Küste auf und nieder und kämpften mit ihrem fröhlichen Lachen gegen den Lärm feiernder Erwachsener an. Feierlustige von Nah und Fern drängten sich in den Straßen und prosteten mit ihren Bierflaschen in froher Erwartung der wilden Nacht, die bald beginnen sollte, und dem Sonnenuntergang zu. Kaffeebraune Haut, blitzende weiße Zähne und lange, geschmeidige Beine kündeten von den Genüssen des Wochenendes, als ein Beben schwelender Verheißung sich anbahnender Möglichkeiten und alkoholseliger Hoffnung die Atmosphäre durchdrang. Hypnotische Trommelrhythmen hämmerten, als die Parade mit extravaganten Kostümen und Masken vorüberging und Einheimische wie Touristen sich gleichermaßen in leichtfertiger Hingabe verloren.
Die Glocke am Eingang des kleinen Internet-Cafés erklang und lenkte Mayas Aufmerksamkeit ruckartig von ihrem PC-Bildschirm auf dem Schreibtisch hinten im Büro weg. Träge wischte sie sich das lange schwarze Haar aus dem Gesicht, klickte seufzend mit der Maus und nahm die auf dem Monitor angezeigte Uhrzeit zur Kenntnis. Seit über einer Stunde war kein Besucher gekommen und sie wollte den Laden eigentlich gleich schließen. Ihr Mitarbeiter war schon um fünf gegangen, damit er die Party auf keinen Fall verpasste, und hatte es ihr überlassen, zum Feierabend sauberzumachen. Inzwischen, vier Stunden später, gab es nur noch wenig Hoffnung auf weiteren Umsatz, da die ganze Stadt schon im Party-Modus war. Jeder, der unterwegs war, hatte jetzt handfestere Arten der Unterhaltung im Kopf als solche, die man im Cyberspace finden konnte.
Als sie sich durch den Perlenvorhang schob, der die hinteren Räume vom Kundenbereich trennte, baumelte eine Schlinge über ihrem Kopf. Sie konnte gerade noch rechtzeitig die linke Hand heben, um zu verhindern, dass sich die Schlaufe um ihren Hals zuzog. Sie konnte die Kraft ihres Angreifers spüren, als der Draht in ihre Hand schnitt, worauf sie ihm instinktiv mit voller Wucht auf den Fuß trat, um ihn so zu schwächen. Hätte Maya ihre Stiefel angehabt, hätte sie ihm den Mittelfußknochen gebrochen, mit ihren Tennisschuhen aber entlockte ihm ihr Versuch nur ein Ächzen und sorgte lediglich für eine vorübergehende Lockerung des tödlichen Drucks.
Blut rann ihr über das Handgelenk, als sie zurücksprang und ihren Angreifer gegen den Tresen aus Granit stieß, auf dem eine Reihe Monitore standen. Einer der Bildschirme fiel nach kurzem Taumeln auf den Boden und zerbrach, als sie bei den Computern nach etwas tastete, das sie als Waffe gebrauchen konnte.
Sie bekam den Hals einer Flasche Fanta zu fassen, welche sie nach hinten schwang, wo sie seinen Kopf vermutete. Die Flasche traf ihr Ziel mit einem zufriedenstellenden klonk, worauf sie sie erneut schwang, diesmal mit dem Ergebnis, dass die Flasche an seinem Kopf zerbarst. Sie blendete den Schmerz aus, den die Schlinge verursachte, und stach hinter ihrem Kopf mit dem scharfkantigen Ende der zerbrochenen Flasche immer wieder um sich, bis sie einen unterdrückten Schrei hörte und sich ein warmer Schauer über ihr Genick ergoss. Der Griff um ihren Hals lockerte sich, sie wirbelte herum und hob gleichzeitig geschickt ihr Knie an, während sie die Schlinge wegschleuderte. Ihr Bein traf auf das weiche Gewebe seiner Leiste und sie erhaschte einen Blick auf das kalte Gesicht eines Mannes mittleren Alters, aus dessen aufgeschnittener Wange und rechtem Auge das Blut in Strömen floss. Er boxte mit der Faust nach ihr, aber sie duckte sich nach rechts weg und er schlug weit ins Leere. Erneut hackte sie mit der Flasche nach ihm, täuschte den Angriff aber nur vor und trat ihm stattdessen mit aller Kraft in den Bauch.
Die Beine des Angreifers knickten ein, er fiel hin, schlug sich seinen bereits übel zugerichteten Kopf am Tresen an und fiel auf eines seiner Knie. Benommen griff er in die Hosentasche und zog ein Springmesser hervor. Die Klinge schnappte auf. Er holte aus. Sie wich dem Messer aus und trat ihn erneut. Diesmal war er darauf gefasst; sie merkte, wie er seine gestählten Bauchmuskeln anspannte, um dem Tritt standzuhalten. Als er wieder gegen den Tresen geschmettert wurde, schleuderte sie ihm die Flasche entgegen, dann schnappte sie sich einen der Flachbildschirme und schlug ihn mit Schwung gegen seinen Kopf, wobei sie seinen Wangenknochen traf. Der Bildschirm zersplitterte, als sie unaufhörlich damit zuschlug und brutal bearbeitete, was von seinem Gesicht noch übrig war.
Trotzdem hielt er das Messer weiter fest in der Hand.
Er warf sich gegen sie, und sie fühlte einen stechenden Schmerz, als sich die Klinge in ihr Kreuz bohrte, obwohl sie versuchte, mit einer Drehung auszuweichen. Sie trat ihn noch einmal mit dem Knie, zerrte eine Maus aus dem Haufen Computerschrott und nahm den Mann mit dem Kabel in den Würgegriff.
Die Muskeln in ihren Armen traten hervor, als sie an beiden Enden des Kabels zog, bis die Messerangriffe, die anhielten, obwohl sie außer Reichweite war, langsam schwächer wurden. Maya kümmerte sich nicht um das Blut, das aus dem Schnitt in ihrer linken Hand strömte, als sie sich anstrengte, ihren Würgegriff aufrechtzuerhalten, bis der Killer sichtlich kurz davor war, das Bewusstsein zu verlieren.
Als ihm klar wurde, dass er den Kampf verlieren würde, befreite er sich und riss ihr das Mauskabel aus der Hand. Sie rannte zur Registrierkasse und hoffte, eine der schweren Metallkannen zu fassen zu kriegen, in denen sie sonst Wasser und Saft servierte, aber er stellte ihr rasch ein Bein, wodurch sie stürzte und gegen die Kasse knallte. Darauf wirbelte er herum und stieß sich kraftvoll von der Kasse ab, um mit dem Messer auf sie loszustürmen. Sie wusste, dass er vor lauter Blut im Gesicht nicht mehr gut sehen konnte, aber das half ihr nun auch nichts mehr, da sie ihren Schwung verloren hatte und er am Zug war.
Er schwang wieder mit dem Messer nach ihr, erwischte ihr flatterndes Shirt aber verfehlte die Rippen. Sie drehte sich herum und tastete nach der Schere, die immer bei der Kasse lag, aber ihre Finger fanden einen anderen, vertrauten Gegenstand. Ihre Brust bebte vor Anstrengung, aber sie bekam das Objekt zu fassen und schlug es mit aller Gewalt gegen seinen Kopf.
So überrascht wie verdutzt riss er die Augen auf, bevor er zu Boden fiel und krampfartig zuckte.
Sie beobachtete seinen Todeskampf, den Blick auf den Sockel des Kassenzettelhalters gerichtet, dessen fünfzehn Zentimeter langer Stachel sich durch das Ohr des Mannes in sein Gehirn gebohrt hatte. Als er aufhörte zu zucken, ließ sie sich zitternd in einen Drehstuhl fallen und verschaffte sich einen raschen Überblick über ihre Wunden. Ihre Hand war arg mitgenommen, aber wenn sie ihre Finger ausstreckte, bewegten sie sich noch, also war es keine schlimme Verletzung. Sie war sich sicher, dass auch die Wunde am Rücken nur oberflächlich war, obwohl sie ein leichtes Stechen spürte. Das meiste Blut an ihr aber stammte von dem Toten.
Einen Moment lang blieb sie keuchend sitzen, dann sah sie sich rasch um, nahm eines der T-Shirts, das sie in ihrem Shop an Touristen verkaufte und wickelte es sich um ihre Hand. Dann ging sie zurück zur Leiche ihres Angreifers, beugte sich hinunter und untersuchte seine Kleidung nach Waffen, aber außer der Schlinge und dem Messer hatte er nichts bei sich, nur eine Geldbörse mit einer Kreditkarte einer unbekannten Bank und ein paar hundert Dollar.
Ein Geräusch hinten im Laden brachte ihre Aufmerksamkeit blitzartig zurück. Jemand versuchte, durch die verschlossene Hintertür einzudringen.
Sie wusste, wenn es Profis waren, würde die Tür sie nicht lange aufhalten können.

~~~

Jemand mit Handschuhen stieß die Tür auf, nachdem das Schloss sich nur als geringfügiges Hindernis für einen strategisch gut platzierten Schuss aus einer Pistole mit Schalldämpfer erwiesen hatte, der den Türpfosten mit einem gedämpften Splittern in Stücke riss. Der enge Flur war dunkel, weshalb sich der Eindringling vorsichtig durchtastete, bis er in dem kleinen Büro ankam. Er richtete die Waffe nach vorne, als er nach dem Lichtschalter an der Wand tastete. Er drückte ihn – nichts passierte.
  Die Tür gegenüber von ihm flog krachend auf, als Maya so schnell, dass sie kaum zu sehen war, aus einem kleinen Lagerraum gestürmt kam. Er bekam ihre Ankunft gar nicht mit, als er seine Waffe fallen ließ und ihm Blut über den Rücken lief, nachdem sie ihm die Schere zwischen die Schulterblätter hindurch ins Herz gerammt hatte.
Nach ein paar Sekunden war alles vorbei. Der Leichnam des Eindringlings rutschte zu Boden und hinterließ eine wachsende dunkelrote Pfütze. Maya stieg über ihn hinweg, hob seine Pistole auf und sah sie sich an. Eine Beretta 92 mit vollem Magazin; ungefähr vierzehn Schuss waren übrig, wenn man den einen von der Türöffnung wegrechnete. Maßgefertigter Compact-Schalldämpfer. Die Waffe war extra umgebaut worden, damit der Schalldämpfer passte; es waren also weder Kosten noch Mühen gescheut worden – das war gar nicht gut.
Sie kroch zu dem Toten und durchsuchte ihn kurz, fand aber nichts, außer noch einer leeren Geldbörse mit ein paar hundert Dollar.
An der Hintertür erklang ein extrem schwaches Kratzen.
Maya warf sich auf den Boden im Flur und feuerte aus nächster Nähe auf die Silhouette im Türrahmen. Der Fremde ächzte, dann schlug ein schallgedämpfter Schuss in die Wand nahe ihres Kopfes. Sie schoss noch zweimal, dann fiel der Angreifer rückwärts nach draußen auf die Erde.
Sie wartete einen Herzschlag und einen zweiten lang. Es könnten nur diese drei gewesen sein, es könnte aber noch ein vierter kommen. Oder noch mehr.
Nichts.
Wenn noch jemand zu denen gehörte, wäre er sicher schlau genug, zu warten, bis sie hinausging, um sich den Toten anzusehen.
Sie sprang auf die Füße und rannte vor in den Laden. Sie hatte die Sicherungen ausgeschaltet, bevor sie sich in dem Lagerkämmerchen versteckt hatte, daher war das Ladenlokal jetzt stockdunkel; die Sonne hatte längst ihre himmlische Reise hinter dem Horizont des Ozeans vollendet. Maya ging zum Tresen und nahm noch ein T-Shirt vom Stapel. Sie entledigte sich des blutverschmierten Tops und zog ein sauberes, dunkelblaues Shirt an, dann holte sie hinter der Kasse eine Rolle Küchenpapier hervor und verband sich damit notdürftig die Hand, den Rest stopfte sie in ihre Tasche. Die Wunde war bereits verkrustet. Sie fühlte sich zwar schrecklich, war aber am Leben.
Sie hielt inne und spitzte die Ohren. Alles, was sie hörte, war Musik von der Straße und das gelegentliche Gejohle von feiernden Menschen, die vorbeigingen.
Hinten im Laden war es still.
Maya hängte sich ihre Handtasche über die Schulter und versteckte die Waffe darin, damit draußen niemand deswegen in Panik geriet. Sie spähte durch die Fenster und schätzte die Menge auf der Straße auf locker ein paar hundert Menschen, zwischen denen man recht einfach untertauchen konnte; gleichzeitig würde es so aber auch schwieriger, mögliche Angreifer zu entdecken. Sie betrachtete noch einmal das Blutbad in ihrem kleinen Internetcafé, das die letzten zwei Jahre ihre Lebensgrundlage gewesen war und atmete tief durch. Es würde nichts bringen, das Unausweichliche hinauszuzögern, und mit ein bisschen Glück würde sie das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben.
Sie schwang die Vordertür auf und tauchte ins Getümmel, dabei hielt sie vorsichtig Ausschau nach allem Verdächtigen. Horden angetrunkener Einheimischer strömten benommen durch die Gassen und über jene Straßen, die für die Dauer des Festivals für Autos gesperrt waren. Zwei Jongleure auf hohen Stelzen warfen Bälle hin und her und grinsten anzüglich und voller Heiterkeit mit ihren bemalten Gesichtern auf die Menschenmenge unter ihnen.
Als eine markerschütternde Explosion die Luft zerriss, ging Maya reflexartig in Deckung. Es folgte noch eine Explosion, dann nahm sie die hocherfreuten Gesichter um sich wahr – die Detonationen kamen von einem Feuerwerk, das seine leuchtenden Strahlen über die leidenschaftlichen Feierlichkeiten ausbreitete.
Innerlich schüttelte sie sich und zwang ihren Puls, wieder in normalem Maß zu schlagen. Ihre früheren Instinkte waren eingerostet, aber sie waren dabei, sehr schnell wieder zu erwachen. Ein dritter Donnerschlag hallte von der Küstenstraße wider, gefolgt vom Stakkato kleinerer Feuerwerkskörper, die den Nachthimmel mit grellen roten und blauen Strahlen erleuchteten, die sich wie Blüten ausbreiteten.
Sie ging hinunter zur Straßenecke und überquerte zügig die Straße in Richtung einer Gruppe von Gebäuden, die das Zentrum des Strandviertels umgaben, in dem ihr Café stand. Sie überwachte ihre Umgebung, indem sie die Spiegelungen in den Schaufenstern betrachtete. Alle dreißig Meter blieb sie stehen und hielt so nach Bedrohungen Ausschau.
Wer auch immer hinter ihr her war, meinte es verdammt ernst. Sie hatten die Waffen und die Herangehensweise von absoluten Profis. Ihr sorgfältig aufgebautes, friedliches Leben war erschüttert. Aber warum das alles – warum gerade jetzt? Und wer? Es machte keinen Sinn.
Besonders, da sie seit drei Jahren tot war.
Maya bewegte sich unerkannt zwischen den Frauen, die am Wasser entlang gingen – ein Meer aus schwarzen Haaren und gebräunter Haut – und sie begrüßte den Umstand, dass es Nacht war, denn nachts standen ihre Chancen besser. Selbst, wenn ihre Gegner Fotos von ihr hatten – wovon sie ausging, wenn sie ihre Hausaufgaben gemacht hatten –, wäre es schwierig, sie im Dunkeln zu erkennen. Dazu kam noch, dass der Karneval inzwischen sein volles Ausmaß erreicht hatte und viele Menschen Masken und Kostüme trugen, was die Möglichkeiten, jemanden zu identifizieren, noch weiter einschränkte.
Ihre Hand pochte vor dumpfem Schmerz, während sie ihre Optionen abwog. Es würde höchstens ein paar Stunden dauern, bis man die Leiche an der Hintertür finden und damit die Polizei in Alarmbereitschaft versetzen würde, die sofort eine Fahndung nach ihr herausgeben würde, um sie verhören zu können. Selbst in ärmeren Ländern wie Trinidad und Tobago würden drei Leichen nach einer Erklärung verlangen – einer Erklärung, die sie so schnell nicht unbedingt geben wollte.
Sie versteckte sich in einem Souvenirladen und kaufte eine schwarze Baseballkappe, auf der das Logo der Insel prangte, sowie ein langärmeliges Shirt mit der schlecht gezeichneten Darstellung eines Segelboots darauf. Sie sah sich um und nahm spontan eine mit Federn geschmückte Karnevalsmaske, die sie in ihre Handtasche stopfte, bevor sie bezahlte. Als sie hinausging, sah sie mit der falsch herum aufgesetzten Mütze eher aus wie ein punkiger Teenager als eine Achtundzwanzigjährige. Hoffentlich reichte das, um mögliche Verfolger zu verwirren.
Als sie gerade einer ausgelassenen Gruppe junger Männer auswich, nahm sie auf dem Bürgersteig gegenüber eine verdächtige Bewegung wahr. Maya nahm ihr Telefon aus der Handtasche und benutzte den Bildschirm als Spiegel, bevor sie es sich ans Ohr hielt und so tat, als telefoniere sie. Sie konnte nicht viel sehen. Ein Mann mit rasiertem Kopf, offenbar kein Einheimischer, der trotz der Temperaturen eine Windjacke trug, war ihr auf den Fersen. Er war ganz offensichtlich nicht wegen des Straßenfests hier.
Maya tat weiter so, als telefoniere sie mit einem erfundenen Freund und ging dabei im Kopf mögliche Maßnahmen durch. Als erstes musste sie das Telefon loswerden. Es war zwar ein Wegwerfhandy mit einer Prepaidkarte, trotzdem konnte es sich als Gefahr erweisen – die meisten Regierungen, Geheimorganisationen und Hi-Tech-Überwachungsfirmen konnten Mobiltelefone aufspüren oder sogar das Mikrofon anzapfen, um Gespräche mitzuhören, selbst wenn es ausgeschaltet war. Sie war zwar überzeugt, dass das kein Problem darstellte für jemanden wie sie, da sie aus Sicherheitsgründen das Telefon ohnehin regelmäßig austauschte, aber unter den gegenwärtigen Umständen musste sie davon ausgehen, dass ihren Verfolgern unbegrenzte technische Möglichkeiten zur Verfügung standen.
Ein komplett mit goldener Farbe überzogener Feuerspucker tauchte neben ihr auf und blies einen gelben Feuerstrahl in den Nachthimmel. Feiernde schickten sich an, Bilder zu machen, bis eine betrunkene Frau schrill lachend zwei schlagende Argumente entblößte, welche die Aufmerksamkeit der Fotografen auf sich zogen. Gleichzeitig sorgte das für eine kurze Ablenkung, die Maya nutzte, um in eine Ecke zu schlüpfen und das Telefon in einen Mülleimer zu werfen, bevor sie ihre Flucht fortsetzte. Nicht weit entfernt sah sie eine Bar, die sie kannte und die neben dem Gästebereich innen auch noch einen Außenbereich im Hinterhof hatte. Damit bot sich eine Möglichkeit, die Verfolger abzuschütteln, falls sie richtig folgerte, dass diese, wer auch immer sie waren, nicht einfach in aller Öffentlichkeit anfangen würden, jeden umzulegen, der sich bewegte. Aus dem Angriff vorhin schloss sie, dass sie sie mit einem Mindestmaß an Aufsehen erledigen wollten, was aber schnell nach hinten losgegangen war.
Der Eingang zur Bar ›El Pescador‹ befand sich nur noch wenige Meter entfernt zu ihrer Rechten. Musik und frohes Lachen drangen auf die Straße, und es klang ganz so, als sei die Kneipe zum Bersten voll, was für sie von Vorteil sein konnte.
Sie drängte sich an ein paar angetrunkenen Menschen draußen vorbei und kämpfte sich durch die Massen, mit dem Ziel, zum Außenbereich zu gelangen. Ein paar der Leute, die sie angerempelt hatte, warfen ihr schmutzige Blicke zu, als sie das neue Langarmshirt über ihre Kleidung zog. Ihre Verfolger hatten es absolut nicht leicht, ihr auf den Fersen zu bleiben. Sie warf die Baseballkappe auf einen Tisch und band ihre Haare geschickt zu einem Pferdeschwanz. Als sie einen Haargummi aus der Handtasche angelte, strichen ihre Knöchel über den Sicherheit versprechenden Griff der schallgedämpften Pistole. Innerhalb von Sekunden hatte sie sich in eine andere Frau verwandelt – dieses Mal in eine seriöse College-Studentin im Urlaub.
Maya widerstand der Versuchung, einen Blick zurück zu werfen, um zu sehen, ob der Stalker ihr in die Bar gefolgt war, und drückte sich stattdessen die letzten Meter weiter durch die Menge nach hinten in den Hof. Dort standen weniger Leute herum, aber sie wusste, dass das gesamte Etablissement in ein paar Stunden nur noch Stehplätze übrig haben würde.
Sie sah sich um und musterte die Mauer um den Außenbereich, die ihr den Weg zu der Bar gezeigt hatte – sie erinnerte sich, dass daran zwei gemauerte Toilettenhäuschen ohne Überdachung eingelassen waren. Maya ging schnurstracks zur Damentoilette und schloss die Tür ab, dann stellte sie sich sofort auf den Toilettensitz, um den Rand der Mauer zu fassen zu kriegen.
Ihre verletzte Hand protestierte energisch, als sie sich hochzog. Auf der anderen Seite ließ sie sich leise auf das Pflaster fallen. Wer auch immer hinter ihr her war, musste nun improvisieren – der Plan war eindeutig, sie um jeden Preis auszulöschen, und seit drei von ihnen in dem Shop ausgeschaltet worden waren, waren sie wahrscheinlich unterbesetzt.
Ein heftiger Schlag riss ein Stück aus der Fassade neben ihr und sie hörte den unverwechselbaren Klang eines Querschlägers, also beschloss sie, rasch loszurennen, um Abstand zwischen sich und den Schützen zu bringen. Ein weiterer Schuss aus größerer Entfernung ging auch daneben – sie riskierte einen Blick über die Schulter. Der Angreifer schoss durch das hintere Toilettenfenster; wahrscheinlich stand er auf der Kloschüssel, um an die Öffnung heranzukommen, die mit einem Eisengitter gegen Einbrüche geschützt war. Sie wollte keine ihrer wertvollen Patronen verschwenden, also sprintete sie zum Ende der langen Gebäudezeile, statt zurück zu feuern. Mit jedem Meter, den sie zwischen sich und die Waffe bringen konnte, würde die Treffsicherheit der schallgedämpften Neunmillimetergeschosse weiter nachlassen. Angesichts der Entfernung hatte sie einen Vorteil – der sofort weg war, als sie um eine Ecke in eine noch schmalere Straße bog und auf eine Person zulief, die zwanzig Meter weiter mit gezogener Waffe angerannt kam.
Sie mussten sich abgesprochen haben, wahrscheinlich per Funk oder auf einem anderen ausgeklügelten Kommunikationsweg.
Der Kerl mit der Waffe zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, da schoss Maya durch ihre Handtasche hindurch. Zwei Kugeln gingen ins Nirgendwo, die dritte aber traf und er fiel um, wobei er noch einen Schuss abgeben konnte. Sie spürte einen Schlag unten an ihrem neuen Shirt und sah ein qualmendes Loch im flatternden Stoff an ihrer Hüfte klaffen. Die Kugel hatte sie nur um einen Zentimeter verfehlt, was ausreichend entfernt, ihr aber immer noch zu nah war.
Ein weiteres Geschoss sauste in großem Abstand vorbei, als der Killer versuchte, sie zu treffen. Sie trat ein paar Schritte auf ihn zu, holte die Beretta aus der Handtasche, zielte sorgfältig und drückte ab. Der Mann zuckte kurz, seine Waffe schepperte auf das Kopfsteinpflaster, dann blieb er reglos liegen.
Maya trat vorsichtig näher, die Waffe auf seinen erstarrten Körper gerichtet, und kickte mit dem Fuß die Pistole aus seiner Reichweite. Ihr fiel auf, dass er die gleiche Beretta hatte wie sie – dann zog es ihr die Beine weg und sie fiel hintenüber. Der Schütze hatte sie mit dem Fuß umgerissen, worauf sie nicht rechtzeitig reagiert hatte. Noch im Fallen erkannte sie ihren Fehler und es gelang ihr, sich abzurollen.
Der Schmerz vom Sturz auf die harte Straße schoss ihr in die Seite, aber sie ignorierte ihn und konzentrierte sich darauf, ihre Waffe nicht loszulassen, als sie versuchte, weit genug von dem am Boden liegenden Mann wegzukommen, um weiteren Schaden durch ihn abzuwenden. Ihr Handgelenk schleifte über den Boden und wurde für einen Augenblick taub, weshalb sie zuckte und die Pistole unfreiwillig fallen ließ.
Er trat erneut nach ihr, aber sie überraschte ihn, indem sie sich blitzartig aufrichtete und ihm dabei ihren Ellbogen ins Gesicht rammte. Zu ihrer Zufriedenheit traf sie seinen Unterkiefer, und sein Kopf schlug daraufhin hörbar auf das raue Straßenpflaster. Sie setzte noch einen brutalen Schlag von oben mit dem Ellbogen nach und hörte, wie sein Nasenbein zersplitterte.
Ihr Kopf wurde nach hinten gerissen und ihr wurde schwarz vor Augen von den Schmerzen in ihrem Kiefer, als dieser von der Faust des Mannes getroffen wurde. Dann spürte sie, wie unglaublich starke Arme ihren Oberkörper umschlangen und nach festem Griff suchten. Sie drehte sich mit seiner Bewegung und rammte ihm den Ballen ihrer geschundenen Hand in die kaputte Nase, aber er drehte sich im letzten Moment weg und wich so dem Schlag aus, der ihn das Leben gekostet hätte. Maya setzte sogleich nach, indem sie ihm trotz des Protests ihrer Hand mit dem Finger ins Auge stach und ihre Nägel in seine Hornhaut bohrte. Dieses Mal war er etwas langsamer und heulte auf vor Schmerzen – der erste Laut, den einer von ihnen seit Beginn des tödlichen Zweikampfs von sich gegeben hatte.
Ihr nächster Schlag erstickte den Schrei: Sie schlug mit beiden Handflächen auf seine Ohren und zerriss ihm damit auf der Stelle die Trommelfelle – sie wusste, dass solch eine Verletzung unsagbare Qualen verursachte. Seine Arme fielen von ihr ab und er griff sich an den Kopf. Sie nutzte die Kraft ihres Schwungs und schmetterte seinen Schädel auf das Pflaster. Ein abscheuliches Knacken bestätigte das Ende des Kampfes. Er lag reglos da, unter ihm sickerte Blut hervor und lief in den Rinnstein.
Sie rollte sich weg, kam auf die Knie, stand schließlich auf und ging zu seiner Waffe, die auf dem Boden lag. Als sie sich vergewissert hatte, dass sie mit ihrer identisch war, ließ sie das Magazin herausgleiten und steckte es in ihre Handtasche. Sie würde ihre Pistole später in einer Verschnaufpause nachladen.
Ein weiterer Mann lugte um die Ecke des Gebäudes am Ende der Häuserzeile und richtete den Lauf seiner schallgedämpften Pistole in ihre Richtung – sie reagierte instinktiv, riss die Pistole ohne Magazin hoch und drückte ab.
Die Kugel, die noch in der Kammer war, trat aus, und Maya sah, wie die Hälfte seines Gesichts weggerissen wurde und sein Körper hinter dem Gebäude zusammenklappte.
Sie warf die leere Kanone weg, hob flink ihre eigene auf, näherte sich dem bewegungslosen Körper ihres neuesten Gegners und ging ihre Optionen durch. Sie konnte entweder davonlaufen oder hierbleiben und sich darauf konzentrieren, jeden auszuschalten, der noch hinter ihr her war. Der kurze Blick, den sie auf den letzten Angreifer erhaschen konnte, verriet, dass es nicht der Mann war, der sie vorhin die ganze Zeit verfolgt hatte, folglich lief noch mindestens ein weiterer herum. Vielleicht noch mehrere.
Vorsichtig spähte sie in die Richtung, aus der sie kam, aber die Gasse war menschenleer. Der Schütze aus dem Klo der Bar war wahrscheinlich zur Vordertür raus und schlich um die Gebäude herum. Das war eine wertvolle Information, und sie somit in der Lage, ihm vorbereitet gegenüberzutreten.
Sie beobachtete weiter die Gasse, griff mit ihrer schmerzenden Hand hinunter und ging rasch die Taschen des besiegten Gegners durch, wobei ihr das verräterische, zerbrochene Headset auffiel, das der Mann im Ohr trug. Hochmoderne, abhörsichere Funkausrüstung – ganz wie sie erwartet hatte.
Seine Waffe war auch eine Beretta, also tauschte sie das Magazin ihrer Pistole gegen seines aus und verschwand im Dunkel eines nahen Torbogens, bereit, den nächsten Angriff zu erwarten.
Der nicht stattfand.
Sie wartete lange, aber niemand tauchte auf. Eine Minute, zwei, aber nichts tat sich.
Aus der anderen Richtung hörte sie schlurfende Schritte von Leuten, die sich auf Spanisch unterhielten. Es klang nach drei jungen Männern, die sich nicht einig waren, wo sie als nächstes hingehen sollten. Ihr Abend wäre ruiniert, sobald sie die Leichen entdecken würden, aber das war nicht ihr Problem.
Sie musste weg von hier, ihre vorbereitete Fluchtausrüstung holen und für alle Zeit untertauchen.
Leise wie ein Gespenst trat Maya aus der Dunkelheit, verschwand in der Nacht und wurde eins mit den Schatten. Nur das Echo der Stimmen der jungen Männer folgte ihr die Straße entlang.

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