Michael Hodges

TRAPPED - GEFANGEN

Mystery-Thriller

TASCHENBUCH
348 Seiten
ISBN: 978-3-95835-112-7
eISBN: 978-3-95835-113-4
ERSTERSCHEINUNG: 2015

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BeschreibungAutorMeinungen zum BuchJetzt reinlesen

Matt Kearns hat zwei Möglichkeiten: kämpfen oder verstecken. Die Kreatur im Obstgarten wird den Rest übernehmen.

Drei Tage zuvor kam er an seinem Lieblingsplatz dieser Welt an, einer kleinen Hütte auf Michigans oberer Halbinsel. Der Plan war, den Tod seines Vaters zu betrauern und herauszufinden, was sein eigenes Leben für ihn bereithielt.

Nun kämpft er für dieses Leben.

Ein unsichtbares Wesen hält ihn gefangen. Jedes Mal, wenn Matt zu fliehen versucht, wird er von einer unsichtbaren Kraft zurückgezogen.

Allein und ohne Hoffnung auf Rettung, muss Matt den Fängen dieses Jägers entkommen. Aber wie soll man sich von etwas befreien, das man nicht sehen kann?

TRAPPED - GEFANGEN wurde von Hollywood zur Verfilmung optioniert.


»Hodges schreibt sehr bildhaft, lässt dadurch die Geschichte sehr plastisch erscheinen. Für mich ist "Trapped" eine gelungene Mischung aus ruhiger Erzählung und spannender, von feinem subtilen Horror geprägten Story. Ein flüssiger, bildhafter Schreibstil und ein einnehmender Protagonist runden das Ganze ab.« [chuma, lovelybooks]

 

»Ein besonderer Mystery-Thriller« [Amazon Leser]

»Sehr gut und flüssig geschrieben. Sehr schöne Landschaftsdetails. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen...« [Amazon Leser]

Die Pausenglocke läutete und erschreckte Matt Kearns mit ihrem kalt metallischen Geklirr. Er klappte sein Biologiebuch zu und eilte aus dem Klassenzimmer. Während die letzten Sekunden des schrillen Lärms auf dem Flur nachhallten, spürte er, dass etwas nicht stimmte. Er konnte es an nichts Konkretem festmachen, sondern wusste es einfach.
Die große Glasdoppeltür am Ende des Flurs lockte ihn, weil sie aus dem Betongrab führte, das sich Walnut Grove High nannte. Als er sie mit einem Fuß aufstieß, fiel Sonnenlicht auf seine Haut. Endlich.
  »Hi, Matt«, grüßte Amber Lynne. Sie lehnte an der Ziegelsteinmauer und kaute Bubblicious mit Wassermelonengeschmack; das roch er von dort aus, wo er stand.
»Hey«, erwiderte er.
»Hast du was von dem Riesenstress drüben auf dem Sportplatz mitgekriegt?«, fragte sie, bevor sie eine Blase machte.
  Plopp!
  »Viel Geschrei«, fuhr sie fort. »Die Jungs streiten sich wohl. Du weißt ja, wie deinesgleichen so ist.« Amber verdrehte ihre Augen.
Matt bückte sich, um den Aufschlag seiner Jeans von der Lasche seines rechten Stiefels zu ziehen, wozu er sein Biobuch an die Wand lehnte. Während er zum Sportplatz hinüberlief, versammelte sich eine kleine Menschenmenge auf dem gemähten Rasen, größtenteils Lacrossespieler in voller Montur. Viele von ihnen erhoben ihre Stimmen. Als er die Gruppe erreichte, drängelte sich Matt in die Mitte.
»Mach das Mistvieh fertig!«, rief Abe Johnson.
»Haha, er weiß nicht, was er machen soll!«, belustigte sich eine andere männliche Stimme. Dann stimmte Betsy Armstrong mit ein, deren angsterfüllte Stimme unangenehm wie immer klang: »Pass auf seine Zähne auf! Er hat ja so viele!«
Während sich Matt nach vorne kämpfte, jaulte und wimmerte etwas in der Mitte des Pulks: ein trauriger, flehentlicher Laut, der ihn umgehend tiefer ins Geschehen zog. Als er den inneren Kreis erreichte, stand dort Mike Armstrong im Lacrossetrikot mit allem Zubehör und drückte etwas mit seinem Schläger zu Boden. Matt stellte sich neben ihn und schaute am Schaft hinunter zum Netz.
Ein Kojote.
Ein großer Kojote mit einem schönen, dichten Fell.
Mike Armstrong stützte sich mit vollem Gewicht – satte 220 Pfund – auf den Schläger und hielt das Tier so von der Flucht ab. Als es versuchte, seinen Kopf herauszuziehen, versetzte Mike dem Schläger einen kräftigen Ruck, bis der verstörte Kojote nachgab. Matt beschlich das unsägliche Gefühl, der Blödmann habe seine helle Freude.
Der Kojote jaulte und knurrte, während sein Brustkorb bebte. Seine bronzefarbenen Augen blickten düster durch die Netzmaschen – ein anmutiger Gefangener, der einen verheerenden Fehler begangen hatte. Alle paar Sekunden bleckte das Tier seine Zähne, wobei seine Oberlefze zitterte.
Matt fasste die Menge ins Auge, rote und verzogene Gesichter, aus deren Mündern Speichel spritzte, während sie johlten. Etwas überkam ihn, ein unerklärlicher Druck. Das irre Gegröle trat in den Hintergrund, die Farben der Gesichter und Kleider verblassten zu Schwarz-Weiß. Das Gras blutete dunkles Rot, der Himmel setzte sich in Grau ab. Mike Armstrong erschien in Schwarz-Weiß, sodass die Glaskörper seiner Augen hell hervorstachen. Alles, außer des Kojoten, hatte die Farbe gewechselt. Sein sandbraunes Fell schillerte in der Sonne, seine Zunge leuchtete hellrosa. Dann nahm Matt alles in Zeitlupe wahr – das Kläffen, die ausgestreckten Arme, das Geschrei.
Ein zweiter Schüler mit Lacrosseausrüstung trat aus der Menge hervor: Ben Jacobsen, das Sportass von Walnut Grove und ein ausgemachtes Hohlbrot. Er stürzte auf das Tier zu, während er weit mit dem Schläger über seinem Kopf ausholte. Vergiss es, dachte Matt. Er stieß ihn zur Seite, doch Ben behielt seinen Schwung und drosch auf den Schädel des Kojoten.
»Gib ihm Saures!«, bellte irgendein Kerl. »Schaff dieses Ungeziefer von unserem Platz!«
Matt erholte sich von seinem missglückten Angriff und riss Ben den Lacrosseschläger aus der Hand.
Einen Moment lang stand der Junge da und beäugte Matt ungläubig. »Was glaubst du, was du hier tust, Mann?«, fragte er, während er einen Arm zurückzog, um ihn zu boxen. Matt wich aus, indem er sich duckte, und schlug mit dem Schaft quer über Bens Knie, die dabei ekelhaft knirschten. Er brach zusammen, hielt sich die Beine und brüllte. Sein Gezeter vereinte sich mit dem Jaulen und Knurren des Kojoten. Glänzendes Blut verklebte nun dessen Kopffell.
Mike fuhr ungerührt damit fort, den Schädel des Tiers niederzudrücken. Es trat mit den Hinterläufen aus, warf Gras und Erde hoch.
Matt fuhr herum und ließ Bens Schläger auf Mikes Kopf krachen, was von einem hohlen Klonk begleitet wurde. Nachdem Mike kurz um sein Gleichgewicht rang, hob er seinen eigenen Schläger hoch und schwang ihn hinter sich, wobei er Matt auf der Schulter traf und beiseite stieß.
Die Mienen im Rund verloren ihren kaltherzigen Ausdruck selbstgefälliger Überlegenheit und entglitten in Bestürztheit.
»Knöpf ihn die vor, Mike! Er hat es gewagt, dich zu schlagen«, empörte sich Betsy Armstrong.
Da er ihretwegen glaubte, eine Chance zu erkennen, holte Mike abermals weit aus und traf Matt genau am Kiefer. Die Umgebung verschwamm und drehte sich, während Matts Ohren klingelten, doch dann richtete sich alles wieder.
»Das hättest du besser bleiben lassen«, brüllte Mike mit starrem Blick, während er mit hoch über seinem puterroten Gesicht erhobenem Schläger zu einem weiteren Hieb ausholte. Sein siegesgewisser, wutschnaubender Blick nahm jedoch fassungslose Züge an, die schließlich mit einem Schrei entglitten, der jedes Hollywoodsternchen stolz gemacht hätte.
Vom Boden nämlich grollte es nun erbittert, und zwar immer vehementer, einhergehend mit einem Geräusch wie von Fleisch, das zerriss. Der Kojote hatte sich aus dem Lacrossenetz befreit und verbiss sich in Mikes Knöchel, durchtrennte eine Sehne wie eine Schere einen Faden. Während das Tier Rache an dem angeschlagenen Spieler übte, fielen Matt dessen Augen auf, die zwar vor Zorn schwelten, aber auch eine gewisse Weisheit vermittelten, womit er nie gerechnet hätte. Schnauze und Fell waren mit Blut besudelt, doch ob es sich um sein eigenes oder das von Mike Armstrong handelte, konnte Matt nicht sagen.
Der Sportler wandte sich von ihm ab, um sich von dem Kojoten zu befreien, brach aber zusammen, als er sein Gewicht auf den Fuß mit der gerissenen Sehne verlagerte. Während er am Boden brüllte, blieb das blutige Gelenk erschlafft liegen. Als sich Mike an die Wunde fassen wollte, schnappte das Tier nach seiner Hand. Als er sie zurückzog, hatte er nur noch drei Finger.
Unverständlich fluchend kroch Ben Jacobsen zu dem Kojoten und schlug ihm seinen Schläger einhändig auf den Schädel. Der Vierbeiner wich heulend zurück und schüttelte seinen blutüberströmten Kopf, sodass die Gesichter der Zuschauer dunkelrote Spritzer abbekamen. Dann glotzte er Matt an, hob seine Schnauze und nieste zweimal. Schließlich humpelte er zu der Baumreihe am Rand des Sportplatzes.
Die Schüler hinter Matt wurden still, bis man nur noch Mike Armstrongs wehleidiges Wimmern und Ben Jacobsens tränenersticktes Schluchzen hörte.
Als Matt den Lacrosseschläger losließ, polterte das Holz auf den Boden wie ein Knochen beim Ausbeinen eines Walkadavers.
Mike schaute düster zu ihm auf, die Lippen angeschwollen und schmierig. »Arschloch!«
Dann rückte ihm Betsy Armstrong auf die Pelle und wackelte mit einem Zeigefinger vor seinem Gesicht. Sie roch nach Wäschestärke und Schminke. »Ich rufe die Polizei«, drohte sie. »Du hast kein Recht, Sportler anzugreifen.« Sie lief zu Mike hinüber, besah seine Fingerstümpfe und schrie: »Dafür wirst du büßen! Sieh dir seine Hand an! Er wird nicht mehr spielen können! Sieh sie dir an!«
Matt blendete Betsy aus und schaute zur Südseite des Platzes hinunter. Dort saß der Kojote vor den Bäumen und beobachtete Matt mit heraushängender Zunge. Dann schlich er ins Grün, wo sein buschiger Schwanz über den Gräsern pendelte, bis er verschwunden war.
Matt ging davon aus, dass das Tier keine bleibenden Schäden davongetragen hatte, sondern nur die eine oder andere Beule am Kopf. Während er sich selbst humpelnd von der perplexen Menge entfernte, blendete die Welt langsam wieder von Schwarz-Weiß auf Farbe über. Verkehrsgeräusche strömten auf ihn ein, wie kühle Wellen.

***

Wie sich herausstellte, hatte sich Ben Jacobsen ein Bein gebrochen und ein Knie verstaucht. Seine Karriere als Highschoolsportler stand auf der Kippe. Mike Armstrongs Finger wurden nie gefunden. Matt nahm an, dass der Kojote sie gefressen, sie wie Chicken McNuggets aus dem Rasensalat des Sportplatzes gepickt hatte. Mike musste sich wegen der Sehne operieren lassen und auf eine langwierige Heilung einstellen.
Als Matt das alles erfuhr, wurde er dennoch nicht reumütig. Sie hatten Unrecht getan, und er war eingeschritten, um das Richtige zu tun. Sein Vater hatte ihm oft gesagt, dass Letzteres viel schwieriger sei.
Und sein Vater sollte recht behalten.
Matt machte sich eher Gedanken wegen eines Trappers, den die Stadt angeheuert hatte. Der Kojote sollte eingeschläfert werden – eine feige Beschönigung von umgebracht, vermutlich per Kopfschuss mit einem Kleinkaliber. Er fragte sich, woher man wissen wollte, welcher Kojote es war. Am Ende würden sie mehrere töten, um den einen zu finden.
Die Polizei hatte ihn zu Hause aufgesucht und verhört, aber niemand erstattete Strafanzeige. Laut Aussage einiger Schüler war Matt zuerst angegriffen worden, was ihn jeglicher Schuldigkeit enthob. Auf Walnut Grove High sah man das anders; Matts Eltern wurden vom Schulrat zu einer außerordentlichen Anhörung einberufen.
Rektor Anderson war ein kleiner Mann mit einer Vorliebe für Dreiteiler. Er hatte eine Glatze und trug deshalb ein Toupet. Seine dicken Wangen erinnerten an jene von Streifenhörnchen, wenn sie Körner sammelten. »Du bist immer ein guter Schüler gewesen, Matt – kein Einserkandidat, aber dennoch gut. Wir haben alle Aussichten für dich hier auf Walnut Grove in Betracht gezogen, gelangen aber zu dem Schluss, dass es am besten für dich ist, die Schule zu wechseln.« Nachdem er dies gesagt hatte, leckte er an seinem Daumen und Zeigefinger, um die Seiten der Schülerakte umzublättern.
Matt lehnte sich in seinem Stuhl zurück, während er seine Wanderstiefel, die Absätze und Spitzen, aneinander rieb.
»Und ein vorübergehender Ausschluss vom Unterricht?«, flehte Mrs. Kearns, die ein zerknülltes, von Tränen feuchtes Papiertaschentuch in ihrer kleinen Faust hielt. »Unser Sohn wurde angegriffen.« Sie war eine Frau von zurückhaltender Schönheit, und ihre Bitte ließ Rektor Anderson nicht unberührt.
Allerdings war er nicht in der Stimmung, sich überreden zu lassen. »Uns wurde mitgeteilt, Ben Anderson und Mike Armstrong würden gemeinsam Klage einreichen, sollte Matt nicht der Schule verwiesen werden«, erklärte er.
Mrs. Kearns runzelte ihre Stirn. »Na und? Das können sie nicht tun, nicht wahr, John?«, fragte sie, indem sie ihren Mann mit feuchten Augen anschaute.
Matts Vater nickte. Big John, so nannten sie ihn. In dieser Situation war er aber nicht ›big‹ genug, um irgendetwas zu unternehmen. »Doch, können sie, aber wir können Einspruch dagegen erheben«, erwiderte er. »Die Sache ist noch nicht vorbei.«
Rektor Anderson seufzte. »Ich fürchte, das ist sie wohl, Mr. Kearns. Wir haben alle denkbaren Optionen ausgeschöpft.«
Matt verfolgte das alles mit, ohne den Mund zuzubekommen, enttäuscht angesichts der Tatsache, dass Rechtschaffenheit zu einem Verweis führte. Er bedachte den Rektor mit einem stechenden Blick und zeigte mit einem Finger auf den Tisch. »Sie wollen mir weismachen, ich muss die Schule verlassen, weil ich mich selbst und ein hilfloses Tier verteidigt habe? Ich war in Gefahr, Mr. Anderson – und habe die Würde der Schule bewahrt, indem ich etwas gegen geistesgestörtes Verhalten unternahm. Bitte, ich tue alles, um das wiedergutzumachen.«
»Tut mir leid«, entgegnete Rektor Anderson und richtete seine aufgeweckten Augen von Matt zu dessen Vater. »Ihnen ist doch bewusst, dass Bens Eltern beide in der Strafverteidigung tätig sind, oder? Die Schule möchte einen langwierigen Rechtsstreit vermeiden, und Sie, glaube ich, ebenso.« Er richtete sich in seinem Ledersessel auf, zufrieden mit der Spitze, die er gerade abgefeuert hatte.
Nachdem es totenstill im Raum geworden war, standen die Kearns auf. Matts Mutter legte ihrem Sohn sanft eine Hand auf die Schulter und flüsterte: »Komm jetzt, Matthew, es ist Zeit zu gehen.«
Dies war das Ende von Matt Kearns Laufbahn auf der Walnut Grove High. Er suchte sich eine Schule mit Schwerpunkt Computertechnik, um sein viertes Highschooljahr hinter sich zu bringen. Die Kurse absolvierte er mit links und erhielt sein Abschlussdiplom im Juni.
Zwei Wochen später berichteten ein paar Ortsansässige, gesehen zu haben, wie der Trapper aus der Gegend verschwunden sei, und auf der Ladefläche seines Pick-ups hätten leere Käfige gerappelt.

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